(Quelle Text und Bilder: https://www.bikebound.com)

Jahrelang war die BMW R1200GS (offiziell R 1200 GS) die weltweit führende Adventure-Touring-Plattform, ein weltreisender Gigant, den Cycle World als „das erfolgreichste Motorrad der letzten zweieinhalb Jahrzehnte“ bezeichnete. Als meistverkauftes Modell von BMW Motorrad brachte die große GS Ewan McGregor und Charley Boorman in „Long Way Down“ von Schottland nach Südafrika und ermöglichte Fahrern auf der ganzen Welt große und kleine Abenteuer.
Bei ihrer Markteinführung war die R1200GS 66 Pfund leichter und fast 20 % leistungsstärker als ihr Vorgänger, aber sie war immer noch kein Leichtgewicht: Die flüssigkeitsgekühlten R1200GS LC-Modelle wogen fahrfertig über 538 Pfund, und die GS Adventures fast 600 Pfund.
Hier kommt Touratech ins Spiel, das renommierte deutsche Unternehmen, das sich auf Teile, Zubehör, Fahrwerke und Ausrüstung für Abenteuerfahrer spezialisiert hat. Die Freunde Herbert Schwarz und Jochen Schanz gründeten die Firma, nachdem sie in den 1990er-Jahren gemeinsam Afrika auf zwei Rädern erkundet hatten. Heute zählt Touratech zu den angesehensten Namen der Motorradbranche und vertreibt seine Produkte in fast 100 Ländern.
Touratech entwickelt außerdem in Zusammenarbeit mit verschiedenen Herstellern hochentwickelte Prototypen.
„Wir erforschen, was technisch möglich ist, wenn Gewichtsreduzierung, Haltbarkeit und Geländegängigkeit bis an die Grenzen ausgereizt werden.“
In diesem Fall beauftragte BMW Motorrad das Unternehmen mit der radikalen Gewichtsreduzierung der K50 (2013-18) R1200GS LC, um ein Motorrad zu schaffen, das besser für Endurowandern geeignet ist – also für Abenteuerreisen mit starkem Fokus auf Offroad-Touren.
„Ziel war es, die Kundenakzeptanz und die Alltagstauglichkeit eines radikal leichten, mit einem Boxermotor ausgestatteten Adventure-Motorrads zu testen, wobei gleichzeitig moderne Fahrerassistenzsysteme und Langstreckentauglichkeit erhalten blieben.“
Die hier gezeigten Rambler 1200-Prototypen stellen im Vergleich zu den Serienmodellen eine regelrechte Revolution dar. Sie sind ganze 45 kg leichter als die Standard-GS und wiegen vollgetankt nur knapp 199 Kilogramm.
Das ist eine unglaubliche Gewichtsreduzierung, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Rambler die Fahrassistenzsysteme des Serienmodells, den kraftvollen 125-PS-Boxermotor und die legendäre Langstreckenzuverlässigkeit beibehalten. Colin Chapman von Lotus, der bekannte Verfechter der „Add Lightness“-Philosophie, wäre stolz.
Um diese Reduzierung zu erreichen, verfügt jeder Rambler über einen leichteren Aluminium-Kraftstofftank und -Hilfsrahmen, einen Titan-Auspuff von Akrapovič, einen Luftfilterkasten und Motorschutz aus Kohlefaser, eine kompakte Lithium-Ionen-Batterie sowie verschiedene Aluminium- und 3D-gedruckte Teile.
Allein schon die geringere Leichtigkeit würde die GS im Gelände deutlich leistungsfähiger machen, aber jede Rambler wurde für härtere Enduro-Einsätze verstärkt und modifiziert, unter anderem mit einer BMW F800GS Adventure-Vordergabel, einem speziell entwickelten Federbein mit längerem Federweg hinten, einem verstärkten Rahmen mit optimierter Lenkgeometrie und vielem mehr.
Wie Sie sich vorstellen können, verwandeln die Gewichtsreduzierung und die geländetauglichen Modifikationen das große Adventure-Fahrzeug von einem Elefanten in eine Antilope:
„Die Rambler bietet dank ihres reduzierten Gewichts, der schlankeren Bauweise und der überarbeiteten Fahrwerksgeometrie im Vergleich zur Standard-R 1200 GS ein deutlich verbessertes Offroad-Handling und eine höhere Agilität. Sie bleibt auch auf langen Strecken, selbst in großen Höhen, stabil und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl. Zudem eignet sie sich für ausdauernde Fahrten sowohl auf als auch abseits befestigter Straßen.“
Es gibt nur wenige Motorräder, die auf Asphalt zuverlässig und komfortabel lange Strecken zurücklegen und auch abseits befestigter Straßen überzeugen. Wie man sieht, hat Touratech die Rambler 1200 auf Herz und Nieren geprüft und bewiesen, dass die bayerischen Boxermotoren sowohl im Gelände als auch auf der Straße eine gute Figur machen.
Jetzt hoffen wir nur noch, dass BMW Motorrad das Rambler-Konzept in die Realität umsetzt. Wir drücken die Daumen!
Im Folgenden finden Sie unseren ausführlichen Testbericht mit Touratech über den Aufbau, inklusive Datenblatt und weiteren Bildern beider Rambler-Modelle.
Touratech Rambler 1200: Interview mit dem Hersteller
• Erzählen Sie uns bitte etwas über sich selbst, Ihre Geschichte mit Motorrädern und Ihr Unternehmen.
Touratech ist ein deutscher Spezialist für Motorradzubehör und Fahrwerke mit jahrzehntelanger Erfahrung im Abenteuer- und Langstreckenbereich. Das Unternehmen blickt auf eine lange Tradition im Offroad-Fahren, Rallye-Projekten und Härtetests unter realen Bedingungen zurück.
Das Rambler-Projekt steht für Touratechs ingenieurtechnisch orientierten Ansatz: die Entwicklung funktionaler, fahrbarer Prototypen, die ausloten, was technisch möglich ist, wenn Gewichtsreduzierung, Haltbarkeit und Geländegängigkeit bis zum Äußersten ausgereizt werden – stets in enger Zusammenarbeit mit Motorradherstellern wie BMW.
• Um welches Hersteller-, Modell- und Baujahr handelt es sich bei dem Spenderfahrrad?
BMW R 1200 GS (K50 Plattform) (LC).
• Warum wurde dieses Fahrrad gebaut?
Die Rambler wurde als Prototypenprojekt in Zusammenarbeit mit BMW Motorrad entwickelt.
Ziel war es, die Kundenakzeptanz und die Alltagstauglichkeit eines radikal leichten, boxerbetriebenen Adventure-Motorrads zu testen, das gleichzeitig moderne Fahrerassistenzsysteme und Langstreckentauglichkeit bietet.


Es diente auch als Marketing- und Presseinstrument, um zu demonstrieren, was durch eine starke Partnerschaft zwischen BMW und Touratech möglich ist.
• Welches Designkonzept lag dem Bau zugrunde und welche Faktoren beeinflussten ihn?
Das Designkonzept konzentrierte sich auf „Endurowandern“ – Abenteuerreisen mit starkem Fokus auf Offroad-Fahrten unter Verwendung eines extremen, aber funktionalen Motorradumbaus.
Hauptziel war eine massive Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Beibehaltung von Robustheit, Zuverlässigkeit und Fahrbarkeit. Einflussfaktoren waren unter anderem lange Offroad-Touren, Fahrten in großer Höhe und der Bedarf an einem schlanken, minimalistischen Design, das für anspruchsvolles Gelände geeignet ist.
• Welche individuellen Änderungen wurden am Fahrrad vorgenommen?
Wichtigste Modifikationen:
• Gewichtsreduzierung: ca. 50 kg leichter als die Standard-R 1200 GS. 199 kg Boxer – eine wahre Leichtbau-Revolution.
• Basismotorrad: BMW R 1200 R (ohne Telelever)
• Rahmen: modifiziert und verstärkt, mit flacherem Lenkkopfwinkel
• Vorderrad: 21-Zoll-Rad mit Gabel der BMW F 800 GS Adventure, ausgestattet mit Touratech-Cartridge-Einsatz
• Schwinge: von der BMW R 1200 GS Adventure
• Federbein hinten: speziell entwickelt mit endurotauglichem Federweg
Weitere Highlights:
• Titan-Auspuffanlage von Akrapovič
• Selbsttragender Aluminiumtank/Heckteil, hergestellt im Hydroforming-Verfahren
• Kompakte Lithium-Ionen-Batterie
Folgende Originalteile wurden ausgebaut:
• Auspuffanlage
• Kraftstofftank aus Stahl
• Blei-Säure-Batterie
• Hinterachsrahmen
Weitere Komponenten:
• Luftfilterkasten und Motorschutzbügel aus Kohlefaser
• Diverse Aluminiumkomponenten
• Ausgewählte Teile aus dem 3D-Druckverfahren








• Hat das Fahrrad einen Spitznamen?
Ja – das Fahrrad heißt „The Rambler“.
• Gibt es bereits Informationen zu PS-Zahl, Gewicht und/oder Leistungsdaten?
Die genauen PS-Zahlen standen nicht im Vordergrund des Projekts. Entscheidend war das Gewicht: Die Rambler erreichte eine drastische Gewichtsreduzierung gegenüber der serienmäßigen BMW R 1200 GS und war damit der leichteste bekannte Prototyp auf K50-Basis zu jener Zeit, ohne dabei an Funktionalität und elektronischen Fahrassistenzsystemen einzubüßen.



• Können Sie uns beschreiben, wie es sich anfühlt, dieses Fahrrad zu fahren?
Die Rambler bietet dank ihres geringeren Gewichts, der schlankeren Bauweise und der überarbeiteten Fahrwerksgeometrie ein deutlich verbessertes Offroad-Handling und eine höhere Agilität im Vergleich zur Standard-R 1200 GS. Sie bleibt auch auf langen Strecken, selbst in großen Höhen, stabil und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl. Zudem eignet sie sich für längere Touren sowohl auf als auch abseits befestigter Straßen.
• Gab es während dieses Bauprojekts etwas, worauf Sie besonders stolz sind?
Ein besonderes Highlight des Projekts ist die gelungene Kombination aus extremer Gewichtsreduzierung und Alltagstauglichkeit im Abenteuereinsatz.
Besonders hervorzuheben sind die selbsttragende Aluminium-Tank-/Heckkonstruktion und die Integration von Leichtbaukomponenten, ohne dabei Abstriche bei Haltbarkeit, elektronischen Fahrhilfen oder Zuverlässigkeit auf langen Strecken zu machen.




• Gibt es jemanden, dem Sie danken möchten?
Touratech möchte sich bei BMW Motorrad für die enge Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen bei der Entwicklung des Rambler-Prototyps bedanken, ebenso wie bei allen, die an der Konstruktion, den Tests und der Durchführung des Projekts und der Expedition beteiligt waren.
Weitere Fotos vom Rambler 1200






































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